Schießstand im Bruch

Schießstand: Hinrichtungen im Hülser Bruch        auch genannt Scheibenstand

Schießstand wurde nicht nur militärisch genutzt. In den Unterlagen von Aurel Billstein finden sich Hinweise auf Ermordungen.

Die Schießstand im Hülser Bruch wurden von der Wehrmacht, aber auch von der Gestapo genutzt. Archiv

Die Schießstand im Hülser Bruch wurden von der Wehrmacht, aber auch von der Gestapo genutzt. ArchivAxel Gayk, Bild 1 von 2Die Schießstand im Hülser Bruch wurden von der Wehrmacht, aber auch von der Gestapo genutzt. Archiv

Krefeld. Die rund 400 Meter lange Schießanlage im Hülser Bruch, die nach dem Abzug der britischen Truppen in den Besitz der Bundes-Immobilienagentur überging, machte zuletzt im Juni Schlagzeilen. Ohne jede Genehmigung wollte ein Geschäftsmann das Areal westlich des Inrather Berges in ein Adventure-Projekt mit Klettergarten, Mountainbike-Anlage und für Überlebenstraining umwandeln. Der Bürgerverein Inrath deckte diesen Skandal auf . Der Bereich wird jetzt neu eingezäunt, weil dort immer noch explosive Materialien vermutet werden.

Mit dem Bau der Husaren-Kaserne wurde Krefeld Garnisonsstadt

Eng verbunden mit der Anlage ist die Husaren-Kaserne an der Westparkstraße, die im Jahr 1906 erbaut wurde. Die Husaren tanzten nur von 1906 bis 1914 mit den Schönen der neuen endlich Garnisonsstadt. Dann mussten die Reiter in den Krieg. Die Westfront und Russland waren ihre Schlachtfelder. Sie kamen nie mehr nach Krefeld zurück.

Die Kaserne selbst diente im Ersten Weltkrieg als Kriegsgefangenenlager. Unter anderem waren dort polnische Kriegsgefangene untergebracht. Für deren geistlichen Beistand sorgte damals Pfarrer Josef Kayser von der Anna-Kirche. Nach Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 wurde das Gebäude durch die SS (Sturmabteilung) annektiert.

Ingrid Schupetta von der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer schreibt in ihrem Beitrag für das Jahrbuch „Die Heimat“, Ausgabe 2005: „Besonders den SA-Hilfspolizisten darf unterstellt werden, dass sie ihre 1933 neu gewonnene Machtposition zu sadistischen Quälereien nutzten. Allerdings ist der einzige Ort, an dem es zu solchen Übergriffen in Polizeigewahrsam kommen konnte, das Polizeigefängnis in der Alten Kaserne an der Girmesgath. Weder im Hansahaus noch an der Goethestraße oder an der Uerdinger Straße gab es ,Folterkeller’.“

Zumindest eine Hinrichtung ist belegt: die des polnischen Zwangsarbeiters Edward Nizio (28). Sein „Verbrechen“: Er soll in Kempen versucht haben, mit deutschen Mädchen in Kontakt zu kommen. Nizio wurde von der Gestapo im Keller der Kaserne erhängt. (Aurel Billstein: Auf der Suche nach den Vergessenen, S. 144. 1977).

In der Westdeutschen Zeitung wird im November 1983 der Augenzeuge Alfred John zitiert: „In diesem Keller wurden wir mit Eisenketten gefesselt. Als die SS von der Kirmes wiederkam, wurden wir geprügelt, bis sich keiner mehr rührte.“

Die Lage im Hülser Bruch schirmte vor unliebsamen Zeugen ab

Der Krefelder Ehrenbürger Billstein erwähnt in seinen Aufzeichnungen auch die Schießanlage im Hülser Bruch. Am Langen-/Flünnertzdyk gelegen, schirmte der einsame Standort gegen eventuelle Zeugen bei diesen Verbrechen ab.

Drei Hinrichtungen durch Erhängungen listet Billstein zwischen 1941 und 1942 anhand von Urkunden der Standesämter Krefeld und Kempen im Hülser Bruch auf. Es waren die polnischen Zwangsarbeiter Czeslaw Kowalski, Stanislaus Walszak (14. Januar 1942, 15.40 Uhr), und Waclaw Ryska (14. Januar 1942, 15.15 Uhr),,alle zwischen 26 und 27 Jahre alt. Bernhard Swiezkowski (33) starb im Hülser Bruch 1942 an „Herzstillstand“.

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